Als am 16. August
1902 in der Ludwigsburger Zeitung (LZ) die Nachricht erschien, die
Witwe Cluß habe von einem "Photograph" P. Koch das
Gebäude "Zum englischen Hof" für 69 000 Reichsmark
erworben, konnte noch niemand ahnen, dass daraus eine 100jährige
Kulturgeschichte entstehen würde, deren Ende noch nicht absehbar
ist.
Der Cluß'sche
Saal, wie er fortan hieß, war "ein geräumiger Saal
mit seitlichen Emporen und einer großen Bühne, von der
her Tafelmusik die Gäste erfreute" (Dr. Sting in: "Ludwigsburger
Fest- und Veranstaltungsräume").
Offiziell dem Veranstaltungsbetrieb übergeben wurde er am 27.12.1902
mit einem großen Festakt. In der LZ war am 29.12. hierzu zu
lesen: "Die Trompeterkorps der Feldartillerie Regimenter Nr.
65 und 29, abwechselnd dirigiert von den Herren Thomas und Rübmann,
hatten sich zu einem Tonkörper vereinigt, der sehr Achtenswertes
hat und dessen Leistungen noch durch die ausgezeichnete Akustik des
Raumes gehoben wurden."
Mit
freundlicher Unterstützung durch
das Stadtarchiv Ludwigsburg
In der Folgezeit fanden im Saalbau vor allem
Musik- und Tanzveranstaltungen statt, wobei, wie auf einer alten Postkarte
von 1910 zu sehen ist, die Atmosphäre eines Brauhauses vorherrschte.
Vor allem Lustspiele erfreuten in dieser Zeit die Besucherschaft;
stellvertretend seien hier genannt das Berliner Lustspiel "Hans
Huckebein" von Blumenthal und Kadelburg (1903) oder das Körner'sche
Lustspiel "Ein unglücklicher Familienvater" von der
Erdmann'schen Gesellschaft.
1932:
Saalbau wird auch Lichtspieltheater
In der
LZ vom 01.10.1932 heißt es hierzu: " Das Eröffnungsprogramm...
...bestätigt zunächst die lobenswerten Absichten der Leitung:
Sowohl der Hauptfilm 'Quick' wie das aus Kulturfilm und Tonfilm-Groteske
bestehende Beiprogramm sind ganz neu und fanden auch bei den aufmerksamen
Zuschauern lebhaften Beifall.
Die Hauptdarsteller des Films waren übrigens Hans Albers und
Lilian Harvey.
Mit freundlicher Unterstützung
durch
das Stadtarchiv Ludwigsburg
Vor der
Machtergreifung der Nazis, so ist im SCALA-Heft vom Dezember
1991 nachzulesen, fanden darüber hinaus Großveranstaltungen
der HitlergegnerInnen statt.
So sprach dort der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann.
Großes Aufsehen erregte auch die Veranstaltung gegen den §218,
auf der der Arzt und Dramatiker Dr. Friedrich Wolf sprach.
1933 - 1949
Während
der Zeit zwischen 1933 und 1945 blieb die Nutzung des Saalbau Theaters
in erster Linie Filmvorführungen vorbehalten. So wurde beispielsweise
im Juli 1935 der Dick und Do(o)f Film "Die 'Wüsten' Söhne"
gezeigt. Doof wurde in dieser Zeit anscheinend nur mit einem "o"
geschrieben, wie aus einer Ankündigung der LZ zu entnehmen
ist.
Nach Kriegsende wurde
das Saalbautheater in verschiedener Weise wieder bespielt.
Beim Bühnenumbau im Jahr 2000 gefundene Eintrittskarten
aus den Jahren 1946 bis 1948 wiesen hin auf "Opern- und
Operettenabend", "Kinder-Ballett", "Württembergische
Musikbühne", "Deutsches Operntheater Stuttgart",
"TERRA - Künstlerspiele Stuttgart - Ludwigsburg",
"Tanzabend - Lisa Kretschmar", "I.K.B. Stuttgart",
aber auch auf Kinoveranstaltungen.
Erwähnenswert ist hier auch eine Veranstaltung mit "Ministerpräsident
Reinhold Maier", veranstaltet von der DVP, der späteren
FDP am 31. Juli 1949, so bekannt gegeben in der Ludwigsburger
Kreiszeitung (LKZ) vom 28.07.1949.
Maier war zu dieser Zeit noch Ministerpräsident des Landes "Württemberg-Baden",
das sich 1952 mit "Baden" und "Württemberg-Hohenzollern"
zum heutigen Ländle vereinigte.
1954
- 1969
1954 Scala-Theater entsteht
Nachdem bis in die 50er-Jahre hinein die
Bedeutung des Kinos immer weiter zunahm, ließen die Geschwister
Gertrud und Richard Cluß 1954 den Konzert- und Theatersaal
nach den neuesten Gesichtspunkten als Lichtspieltheater umbauen
und änderten den Namen in
"Scala-Theater".
Am 17.09.1954 erschien in der LKZ eine Vorankündigung zur Eröffnung
des "Scala-Theaters" noch am selben Tag.
Aufgeführt wurde das musikalische Lustspiel "Fräulein
vom Amt".
Auch in der Folgezeit kamen die
gerade aktuellen Filmproduktionen zur Vorführung.
Zu Gast im Haus waren dabei auch namhafte SchauspielerInnen wie Johannes
Heesters, Ilse Werner, Victor Staal, Georg Thomalla oder Ellen Schwiers.
Ende der 60er-Jahre gaben
die Geschwister Cluß das Kino ab und vermieteten es.
Es verkam zu einem Erotik-Kino und der Name wurde in "Scala"
verkürzt.
Über diese Zeit breiten wir an dieser Stelle den Mantel
des Schweigens.
1986
- heute
1986 "Scala - Musik, Theater, Kino"
eröffnet
Nachdem der Musikverein Ludwigsburg e. V.
die Regie übernahm, eröffnete das SCALA-Theater"
am 5. Dezember 1986 das Programm, wie wir es heute kennen.
Im Mai 1987 wurde aufgrund rechtlicher Probleme das Kinoprogramm
abgetrennt.
Der Musikverein dagegen musste nach unsicheren Zeiten am 15.12.1999
in Konkurs gehen.
Die Nachfolgegesellschaft SCALA Kultur Ludwigsburg gGmbH nahm im
März 2000 mit dem übrig gebliebenen Personal sowie neuem
Geschäftsführer und Programmmacher den Live-Betrieb wieder
auf und führte diesen wieder zurück in die Erfolgsspur.
Qualitätvolles Programm und die Förderung des Nachwuchses
sind wieder an der Tagesordnung.
Dank an das Stadtarchiv Ludwigsburg und Claus Langbein, die bei
den Recherchen behilflich waren.