Geschichte

27.12.1902: Saalbautheater wird eröffnet

Als am 16. August 1902 in der Ludwigsburger Zeitung (LZ) die Nachricht erschien, die Witwe Cluß habe von einem „Photograph“ P. Koch das Gebäude „Zum englischen Hof“ für 69 000 Reichsmark erworben, konnte noch niemand ahnen, dass daraus eine 100jährige Kulturgeschichte entstehen würde, deren Ende noch nicht absehbar ist. Der Cluß’sche Saal, wie er fortan hieß, war „ein geräumiger Saal mit seitlichen Emporen und einer großen Bühne, von der her Tafelmusik die Gäste erfreute“ (Dr. Sting in: „Ludwigsburger Fest- und Veranstaltungsräume“).

Postkarteninnenseite aus dem Jahr 1910

Offiziell dem Veranstaltungsbetrieb übergeben wurde er am 27.12.1902 mit einem großen Festakt. In der LZ war am 29.12. hierzu zu lesen: „Die Trompeterkorps der Feldartillerie Regimenter Nr. 65 und 29, abwechselnd dirigiert von den Herren Thomas und Rübmann, hatten sich zu einem Tonkörper vereinigt, der sehr Achtenswertes hat und dessen Leistungen noch durch die ausgezeichnete Akustik des Raumes gehoben wurden.“

In der Folgezeit fanden im Saalbau vor allem Musik- und Tanzveranstaltungen statt, wobei, wie auf einer alten Postkarte von 1910 zu sehen ist, die Atmosphäre eines Brauhauses vorherrschte. Vor allem Lustspiele erfreuten in dieser Zeit die Besucherschaft; stellvertretend seien hier genannt das Berliner Lustspiel „Hans Huckebein“ von Blumenthal und Kadelburg (1903) oder das Körner’sche Lustspiel „Ein unglücklicher Familienvater“ von der Erdmann’schen Gesellschaft.

1932: Saalbau wird auch Lichtspieltheater

Plakataushang 1948

In der LZ vom 01.10.1932 heißt es hierzu: “ Das Eröffnungsprogramm… …bestätigt zunächst die lobenswerten Absichten der Leitung:

Sowohl der Hauptfilm ‚Quick‘ wie das aus Kulturfilm und Tonfilm-Groteske bestehende Beiprogramm sind ganz neu und fanden auch bei den aufmerksamen Zuschauern lebhaften Beifall. Die Hauptdarsteller des Films waren übrigens Hans Albers und Lilian Harvey.

Vor der Machtergreifung der Nazis, so ist im SCALA-Heft vom Dezember 1991 nachzulesen, fanden darüber hinaus Großveranstaltungen der HitlergegnerInnen statt.

So sprach dort der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann. Großes Aufsehen erregte auch die Veranstaltung gegen den §218, auf der der Arzt und Dramatiker Dr. Friedrich Wolf sprach.

1933 – 1949

Saalbau-Anzeige in der Ludwigsburger Zeitung aus dem Jahre 1935

Während der Zeit zwischen 1933 und 1945 blieb die Nutzung des Saalbau Theaters in erster Linie Filmvorführungen vorbehalten. So wurde beispielsweise im Juli 1935 der Dick und Do(o)f Film „Die ‚Wüsten‘ Söhne“ gezeigt. Doof wurde in dieser Zeit anscheinend nur mit einem „o“ geschrieben, wie aus einer Ankündigung der LZ zu entnehmen ist. Nach Kriegsende wurde das Saalbautheater in verschiedener Weise wieder bespielt.

Eintrittskarten aus den 50er Jahren

Beim Bühnenumbau im Jahr 2000 gefundene Eintrittskarten aus den Jahren 1946 bis 1948 wiesen hin auf „Opern- und Operettenabend“, „Kinder-Ballett“, „Württembergische Musikbühne“, „Deutsches Operntheater Stuttgart“, „TERRA – Künstlerspiele Stuttgart – Ludwigsburg“, „Tanzabend – Lisa Kretschmar“, „I.K.B. Stuttgart“, aber auch auf Kinoveranstaltungen.

Erwähnenswert ist hier auch eine Veranstaltung mit „Ministerpräsident Reinhold Maier“, veranstaltet von der DVP, der späteren FDP am 31. Juli 1949, so bekannt gegeben in der Ludwigsburger Kreiszeitung (LKZ) vom 28.07.1949.

Maier war zu dieser Zeit noch Ministerpräsident des Landes „Württemberg-Baden“, das sich 1952 mit „Baden“ und „Württemberg-Hohenzollern“ zum heutigen Ländle vereinigte.

1954 Scala-Theater entsteht

Scala Aussenansicht 1968

Nachdem bis in die 50er-Jahre hinein die Bedeutung des Kinos immer weiter zunahm, ließen die Geschwister Gertrud und Richard Cluß 1954 den Konzert- und Theatersaal nach den neuesten Gesichtspunkten als Lichtspieltheater umbauen und änderten den Namen in „Scala-Theater“.

Scala Eröffnung 1954

Am 17.09.1954 erschien in der LKZ eine Vorankündigung zur Eröffnung des „Scala-Theaters“ noch am selben Tag.
Aufgeführt wurde das musikalische Lustspiel „Fräulein vom Amt“. Auch in der Folgezeit kamen die gerade aktuellen Filmproduktionen zur Vorführung.

Zu Gast im Haus waren dabei auch namhafte SchauspielerInnen wie Johannes Heesters, Ilse Werner, Victor Staal, Georg Thomalla oder Ellen Schwiers. Ende der 60er-Jahre gaben die Geschwister Cluß das Kino ab und vermieteten es. Es verkam zu einem Erotik-Kino und der Name wurde in „Scala“ verkürzt. Über diese Zeit breiten wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens.


1986 „Scala – Musik, Theater, Kino“ eröffnet

Scala-Bühnenansicht

Nachdem der Musikverein Ludwigsburg e. V. die Regie übernahm, eröffnete das SCALA-Theater“ am 5. Dezember 1986 das Programm, wie wir es heute kennen.

Im Mai 1987 wurde aufgrund rechtlicher Probleme das Kinoprogramm abgetrennt. Der Musikverein dagegen musste nach unsicheren Zeiten am 15.12.1999 in Konkurs gehen.

Scala Außenansicht vor Umbau 2010

Die Nachfolgegesellschaft SCALA Kultur Ludwigsburg gGmbH nahm im März 2000 mit dem übrig gebliebenen Personal sowie neuem Geschäftsführer und Programmmacher den Live-Betrieb wieder auf und führte diesen wieder zurück in die Erfolgsspur. Qualitätvolles Programm und die Förderung des Nachwuchses sind wieder an der Tagesordnung.

Dank an das Stadtarchiv Ludwigsburg und Claus Langbein, die bei den Recherchen behilflich waren.