Aktuelles Programm

Erika Stucky

Nachholtermin vom 22.09.2016

Ping Pong

Wenn sie mit „Across the Universe“ von den Beatles beginnt und er mit „Bohemian Rhapsody“ von den Queen. Und dann plötzlich singt sie „Bohemian Rhapsody“ und er „Across the Universe“ – dann ist das großes musikalisches Ping Pong. Genau das bietet die Americano-Schweizer Performancekünstlerin Erika Stucky in ihrem Programm Ping Pong mit ihrem Duo-Partner Knut Jensen.

Das Leben spielt mit jedem manchmal Ping Pong. Auch mit der Musikerin und Performerin Erika Stucky, und das schon in ihrer frühen Kindheit: Im einen Augenblick – Ping – noch inmitten der Flowerpower-Hippies in San Francisco, und im nächsten – Pong – schon in einem kleinen Dorf im Schweizer Oberwallis. Den damaligen Kulturschock verarbeitet sie heute noch – zum Glück für uns. Denn so entstehen großartige Konzertabende der quirligen Schweizerin mit mitreißenden eigenen und überraschenden Versionen bekannter Songs. Mit verschrobenen selbst gedrehten Filmen. Mit witzigen Ansagen. Und immer mit Respekt für ihr Publikum.

So auch Ping Pong: Ein bunter Abend, der in Schanghai beginnt, über Hawaii nach Paris und zu den roten Fenstern in Amsterdam und wieder zurück nach Hause führt. Überall pflückt Erika Stucky ihre Geschichten, makaber, turbulent, besinnlich, witzig, traurig und doch immer mit einem gewissen Schalk. Wo andere Künstler einen ganzen Abend mit zehn Ideen bestreiten, steckt sie allein schon so viele in ihren ersten Song. Zum Atemholen bleibt kaum Zeit. Und doch… Wie Erika Stucky in einem langen Bogen ihr Programm gestaltet, ihrem Publikum zwischendurch eine emotionale Pause gönnt, um gleich darauf zu nächsten Welle der musikalischen Achterbahn anzusetzen. Das ist hohe Schule der Konzertdramaturgie. Selbst das Auftauchen aus Stuckys Bubble-Welt, wenn man von der Diva aus den Alpen in die Nacht entlassen wird, ist eine Inszenierung für sich. Nur weniger Künstler beherrschen das so meisterlich wie die Amerika-Schweizerin. Und wo andere Künstler mit zehn Ideen einen ganzen Abend gestalten, packt Erika Stucky diese gleich in den ersten Song – um es den ganzen Abend lang sprudeln zu lassen.

Ein Schlüssel ihrer Kunst ist die Reduktion. Wo andere Musiker mit großer Kelle und musikalischem Bombast anrühren, tritt Erika Stucky einen Schritt zurück. Große Titel der Rockgeschichte werden nur von Stimme, Posaune und Tuba inszeniert. Wie Erika Stucky in ihrer Version von Britney Spear’s „…Baby One More Time“ den Subtext des Songs durch ihre Interpretation ändert, zeigt, dass hier eine Künstlerin am Werk ist, die sich nicht aus Hochachtung vor der Vorlage mit einer Eins-zu-ein-Interpretation begnügt, sondern sie gerade auch in der Reduktion in eine andere Welt überzuführen weiß.

Ein weiterer Schritt der Reduktion war die Entwicklung von PING PONG: „Die Idee war, nur mit Handgepäck zu reisen. Kein großes Einchecken am Flughafen. Ein Trolley am Bahnhof“, sagt Erika Stucky. Den passenden Partner fand sie in ihrem langjährigen Produzenten Knut Jensen. Statt mit Gitarre reist er mit handlicher Ukulele. Und das Begleitorchester hat er in seinen Laptop gepackt. Dezent streut er daraus musikalische Notizen ein, lässt zwischendurch Violinen aufheulen oder Rhythmen grooven oder Geräusche im Hintergrund plätschern. Und als Sänger bietet er mit Erika Stucky eben auch großartiges Ping Pong auf der Bühne.        

www.erikastucky.ch